Der Großteil der Befragten und sogar Schüler des Erasmus-Gymnasiums könnten diese Frage wohl nicht hinreichend beantworten.

Um dies zu ändern, machten sich neun Schülerinnen und Schüler aus der Begabten - Förderung am 2. Mai mit Herrn Witt als Mentor und Frau Grünauer nach gründlicher Vorbereitung auf den Weg zur baden-württembergischen Landesausstellung über die Etrusker nach Karlsruhe. Zwar erfolgte die Zugfahrt in einem bequemen Intercity, aber ihre Dauer entsprach allein schon einem 6-Std.-Schultag. Dank einer Führerin, die durch fundiertes Hintergrundwissen und eigenes Interesse die Kultur der Etrusker besonders anschaulich und verständlich zu präsentieren verstand, kann die anfangs gestellte Frage von der Gruppe nun treffend beantwortet werden.

Über die Etrusker, eine unter Wert verkaufte Hochkultur, ist im Vergleich zu den alten Römern oder Griechen wenig bekannt, was den Besuch einer solchen Ausstellung aber umso reizvoller erscheinen lässt. Wir können ihre Sprache nur zum Teil entschlüsseln, da vor allem Eigentumsbekundungen und Quittungen schriftlich überliefert sind. Zudem schrieben und lasen die Etrusker wie „ein Ochs, der die Ackerfurche bestellt“, also abwechselnd von rechts nach links und von links nach rechts. Das Verständnis wird damit rund 2500 Jahre später nicht unbedingt erleichtert. Die Herkunft der Ras(en)na, wie sich die in der Toskana beheimateten und in Stadtstaaten organisierten Etrusker selbst nannten, wirft schon seit der Antike Fragen auf und ist der Grund für eine rege Diskussion zwischen Gelehrten. Erst vor kurzem konnte die These des griechischen Historikers Herodot, dass die Etrusker ursprünglich aus Kleinasien kamen, mit Hilfe von genetischen Reihenuntersuchungen erhärtet werden. Das Klischee von den feierwütigen und lustorientierten Etruskern wurde in der Ausstellung erfolgreich widerlegt und in das Gegenteil verwandelt: um die besonders fortschrittliche Kultur, in der Mann und Frau weitgehend gleichberechtigt waren, nicht zu verbreiten und ihre eigenen Frauen nicht zu entsprechenden Forderungen anzuregen, wurden etruskische Sitten von Griechen und Römern bewusst in ein falsches Licht gerückt.

Besonders im Gedächtnis wird vielleicht der hohe sowohl materielle als auch gesellschaftliche Wert eines halbrund gewebten Stofftuches bleiben, der heute ungefähr mit einem Kleinwagen zu vergleichen ist und ausschließlich einer Oberschicht von ca. fünf Prozent der Bevölkerung vorbehalten war. Auch die Art, in welcher das Mysterium Etrusker beispielsweise in Filmen verarbeitet wird, wird den Schülerinnen und Schülern dank eines trashigen italienischen Horrorfilms aus den 70er Jahren unvergesslich bleiben.

Zusammenfassend kann der Ausflug, der durch Fördermittel der MB-Dienststelle finanziert wurde, aufgrund der Vergrößerung des Wissenstandes, einer erlebnisreichen Reise, die Abwechslung in den oft eintönigen Schulalltag brachte und einer Zugfahrt, die größtenteils mit Kartenspielen und dem damit einhergehenden Knüpfen neuer sozialer Kontakte verbracht wurde, als voller Erfolg gewertet werden.

Luzia Ram, 10b