Desenzano neu 1024 3

Am nächsten Tag um acht Uhr begann das eigentliche Programm des Austauschs mit der Fahrt nach Venedig. Der Vormittag bestand daraus, dass wir von den italienischen Lehrern durch die Stadt geführt wurden, um Sehenswürdigkeiten wie die Rialtobrücke, das Ghetto Venedigs oder auch den Markusplatz zu begutachten. Nach etwa zwei Stunden Führung durch die verwinkeltsten Gassen stand die heißersehnte Mittagspause an, die einige Schüler nutzten, um sich in die für Italien typischen Bars zu setzen. Dazu sollte erwähnt werden, dass wir es sehr zuvorkommend fanden, dass Venedig auf schülerfreundliche Preise achtet: 14 Euro für einen Eiskaffee sind nun wirklich nicht zu viel verlangt, daher hätten wir uns auch leicht ein normales Mittagessen leisten können - wenn wir die restliche Woche gefastet hätten. Danach der nächste Schock: Die richtige Führung nur für uns Deutsche würde jetzt erst beginnen. Um dort hinzugelangen, mussten wir den Markusplatz überqueren, der an diesem Tag bedrohliches Hochwasser hatte: An den tiefsten Stellen waren es glatte 3 Zentimeter. Doch wie die Italiener halt so sind, hatten sie auch dafür eine Lösung: Ein professioneller Holzsteg durchzog den gesamten Platz - und wehe dem, der versucht hat, links oder rechts an diesem vorbeizugehen, denn der bekam es mit den Sicherheitsleuten zu tun.  Zur Führung nur ein kleiner fun fact am Rande: Die französische Führung, die wir im vorbeigehen gehört haben, war für die Deutschen leichter zu verstehen als unsere eigene. Doch wir kämpften uns tapfer durch und so war der Tag nach einer Fahrt im vaporetto über den canal grande auch schon vorbei - wir fuhren heim und kamen erschöpft bei den Gastfamilien an.Sonntag, 23.09.2018, 7:45. Langsam füllt sich der Bus mit verschlafenen Elftklässlern, die nun ihre Reise nach Desenzano del Garda antreten. Nach achteinhalb Stunden Fahrt mit bester musikalischer Unterhaltung aus zwei parallel laufenden Bluetooth-Boxen erreichte die Truppe ihr Ziel, wo auch schon die Gastfamilien gespannt warteten. Die Aufregung, die sich bis dato bei den deutschen Schülern in einem überschaubaren Rahmen gehalten hat, machte sich nun doch sehr spürbar breit - vereinzelt kam der Wunsch auf, sich vielleicht doch noch kurzfristig vom Austausch abzumelden. Aber wie immer waren die Sorgen völlig unbegründet, denn die Italiener begrüßten ihren temporären Familienzuwachs sehr herzlich.

Der nächste Tag begann mit einem Spaziergang durch Desenzano, bei dem wir wieder Sehenswürdigkeiten betrachten durften, diesmal aber nur von außen, wie etwa das castello und die villa romana. Danach stand ein kurzer Empfang im Rathaus an, bevor wir in unsere Mittagspause entlassen wurden, die wir eigentlich nutzen sollten, um uns den für Desenzano typischen Markt anzusehen. Haben wir auch gemacht - aber es hat aufgerundet nur zehn Minuten gedauert, bis unsere Begeisterung für all die Stände verflogen war. Der Grund? Die Menschenmassen, die einen richtig in das "Wiesn-feeling" versetzt haben. Man wurde kontinuierlich in einem Strom vorwärts geschoben, kam aber trotzdem nur schwer vom Fleck. Wobei das fehlende Interesse an Vorhängen womöglich auch dazu beigetragen hat. Um 13:30 Uhr konnte dann das Boarding beginnen. Uns standen zwei Boote zur Verfügung, die uns auf die andere Seite des Sees brachten - ein kleines, fast & furious - ähnliches Wettrennen der Boote sorgte dabei für die Belustigung der Schüler. Nebenbei erzählte der Kapitän des Bootes etwas über die Halbinsel Sirmione und die Grotte des Catull, was die Deutschen sogar mal sinngemäß verstanden haben. Kurz darauf erreichten wir das castello, welches sehr beeindruckend war, da es zur Hälfte im Wasser erbaut wurde. Auch dort erwartete uns eine schülerfreundliche Führung, die nur etwa eine halbe Stunde dauerte, uns das wichtigste über das castello vermittelte und dank Herr Nieds Übersetzungskünsten - die eine Ausnahme darstellten, denn normalerweise zog er es mit eiserner Konsequenz durch, auch mit uns Italienisch zu reden - auch verständlich war. Danach hatten alle die Möglichkeit, sich Sirmione anzusehen, bis unsere Boote uns wieder nach Desenzano brachten. Damit war das Programm für diesen Tag auch fast schon beendet, aber der schönste Teil stand noch an: Das gemeinsame Pizzaessen am Abend rundete den Tag perfekt ab, bevor alle wieder nach Hause zurückkehrten. 

Für den dritten Tag war eine Fahrt nach Padua geplant. Beschrieben war diese auf unserem Programmzettel mit den Worten "Erkundung der Stadt", ich würde sie jedoch mit den Worten "Besichtigung gefühlt aller existenten Kirchen und Kapellen innerhalb der Stadt" beschreiben.  Wir machten einen kleinen Abstecher in die weltbekannte Universität der Stadt, wo wir Einiges über ihre Geschichte erfahren haben. Nach unserer Pause begann dann der Kulturschock der Kirchen, den wir mit einer Führung der cappella degli Scrovegni begannen, wobei uns unser mangelndes Interesse zum Vorwurf gemacht wurde. Schließlich hatten sich unsere Lehrer in unserem Alter - also mit 16 oder 17 Jahren - nichts Besseres vorstellen können, als sich alle Kirchen und Kunstschätze genauestens anzusehen. Sie hätten sogar jeden freien Tag damit verbracht. Und wieder einmal fiel der altbekannte Satz von Frau Druckseis, dass diese Fahrt eine Kulturfahrt sei - danach überschlugen wir uns selbstverständlich vor Begeisterung für die Sehenswürdigkeiten.

Am Donnerstag stand der Unterrichtsbesuch der Deutschen bei den Italienern an: Dabei ging es um interessante Themen wie etwa im Reli-Unterricht, ob Ananas denn jetzt auf die Pizza gehört oder nicht (Ergebnis: der Großteil sagt entschieden nein) oder auch die Befragung der Gastschüler im Deutschunterricht zu ihrem Wissen über die Mauer, die Deutschland einst zweigeteilt hat (fun fact: es war ein bisschen peinlich). Der Nachmittag stand eigentlich zur freien Verfügung, wobei er dann doch eher eine Gruppenaktivität wurde: der eine Teil fuhr mit dem Bus in die Mall nach Leone zum Shoppen, der andere Teil ging zum Stran, um im Gardasee zu baden.

Und schon brach der letzte Tag in Italien an, an dem wir die Stadt Verona besuchten. Auch diesmal erwartete uns ein Spaziergang und Vorträge zu den Sehenswürdigkeiten, aber diesmal mussten die Italiener selber recherchieren und Kurzvorträge - uns zuliebe - in einfachstem Italienisch halten. Um den Kulturgehalt dieser Fahrt weiter aufzufüllen, schauten wir uns ein Amphitheater an, in dem die Italiener dann eine kurze Gesangseinlage darboten.  Danach standen uns fast vier Stunden frei, die wir selber gestalten durften. Da kam dann sogar tatsächlich mal Interesse für die Stadt unter den Schülern auf, welches sich aber auf die Einkaufsmeile von Verona beschränkte - und somit war dann auch der letzte Tag fast zu Ende.

Am Samstag war der Tag der Heimreise schon da... und ob man´s glaubt oder nicht, in der Luft lag sogar auf beiden Seiten ein gewisser Abschiedsschmerz. Nach einer ausgiebigen Verabschiedung stiegen die Deutschen in den Bus und machten sich auf in Richtung Heimat - doch diesmal fiel die musikalische Unterhaltung eher nicht zur Zufriedenheit der Allgemeinheit aus. Die Fahrt verlief ohne schlimmere Staus, wobei einigen beim Gedanken an die Grenzkontrolle buchstäblich schlecht wurde - doch nach diesmal neun Stunden erreichten wir Amberg und fielen unseren Eltern glücklich in die Arme.

H A P P Y    E N D

                                                  

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