Die Theatergruppe der Oberstufe des Erasmus-Gymnasiums hat heuer Frank Wedekinds Theaterstück „Frühlings Erwachen“ aus dem Jahr 1891 einen neuen Anstrich verpasst: Der alte Text wurde von den SchülerInnen, die sich aus den Jahrgangsstufen 10 bis 12 zusammensetzt, bereits in den Sommerferien in Teams eigenhändig umgeschrieben und in unsere heutige Zeit versetzt! Doch die Arbeit hatte sich gelohnt: So wurde aus einer männlichen Hauptperson eine weibliche, einige  prekäre Szenen wurden herausgenommen oder umgeschrieben und ein zusätzlicher Handlungsstrang, die unerwiderte Liebe Mos zu Melchior, wurde hinzugefügt. So entstand ein eigenes Stück, bei dem die Protagonisten zwischen schulischem Leistungsdruck und medialer Reizüberflutung nicht mehr wissen, was sie von Leben, Liebe und Sex erwarten können und sollen. Die humorvolle Kindertragödie (!), so wollte übrigens auch Wedekind sein Stück verstanden wissen, zeigt anhand dreier Hauptfiguren unterschiedliche Wege auf, diesen Problemen zu begegnen. Dies führt bei Wendla (Evangelia Tsakou) zu Konflikten mit ihrer religiösen Mutter (Lisa Brandel) und Melchior (Manuel Pfitzner) wird vor den Disziplinarausschuss (Ninon Stauber, Maritta Singer, Luana Brahimi, Felicitas Groth) von Direktor Sonnenstich (Thomas Neubauer) erniedrigt. Die Schülerinnen (Ronja Bergler, Jana Jüntgen, Amelie Spörer, Hanna Theiss) schwanken zwischen Sensationslust und Hilfsbereitschaft, sind aber auch selbst mit ihren eigenen Problemen beschäftigt. So bekommt keiner mit, wie verzweifelt Mo (Julia Eikam) ist und sich das Leben nimmt. Auch Melchior erhält keinerlei Unterstützung von seinen Eltern (Andrea Anthofer, Sebastian Piehler), sie schieben ihn ab in ein strenges Internat. Während die kindliche Wendla von den coolen Mädchen (Merit Matuschek, Karina Hartmann) akzeptiert werden will, entdeckt sie allmählich ihre Sexualität und wird aufgrund mangelnder Aufklärung von Melchior schwanger. Durch eine dubiose Abtreibungsmethode aus dem Internet stirbt auch sie, da ihre Mutter eine ungewollte Schwangerschaft nicht verkraften und billigen kann. Nachdem also zwei Mädchen tot sind, kommt es zur finalen Szene, bei der die tote Mo als Geist ihren besten Freund Melchior auf die Seite des Todes ziehen will. Doch eine alte Dame, eine Allegorie auf das Leben (Elisabeth Hench), schafft es, dass sich Melchior für das Leben, sei es auch momentan beschwerlich und chaotisch, entscheidet.

Viel Arbeit steckte das Team heuer in den Bühnenbau: mit Hilfe von Raphael Gradl, Leo Ringer, Herrn Roth und Herrn Romfeld wurden große Bühnenelemente gebaut. Umso mehr tat es weh, dass der Termin für die ursprüngliche Aufführung aufgrund der Corona- Situation platzte und die Eltern der Schauspieler das Stück nicht sehen konnten. Dennoch konnte es einmal in ganzer Länge vor der gesamten Q12 vorgeführt werden, wobei auch einige Lehrer sich einfanden. Der lange Applaus und das große Lob entschädigten die Schülerinnen und Schüler und StRin Elisa Romfeld für die intensiven Proben und zeigten, dass sich dieses großartige Projekt, an dem so viele teilhatten, gelohnt hat!

Mit dem Fortgang der Q12 verliert die Theatergruppe großartige Schauspieler. Jedoch bleibt zu hoffen, dass diese Produktion, bei der auch bei den Proben viel gelacht wurde, allen in bester Erinnerung bleiben wird.

Elisa Romfeld