Stellt euch vor, ihr müsst weg. Ganz plötzlich von heute auf morgen, über Nacht!“ Mit diesen eindringlichen Worten von Luzia Ram – gerichtet an die Schülerinnen und Schüler der 7. Jahrgagsstufe - begann die Vorbereitungsstunde für die Autorenlesung am 12.11.2019.

In einer solchen Situation nämlich – wie eingangs beschrieben – befand sich Hescham, ein heute 14-jähriger Junge aus dem Irak, der Fußball liebt und Lehrer werden möchte, am liebsten für Mathe. Hescham war vom P-Seminar Deutsch eingeladen worden, um seine Erfahrungen und Erlebnisse auf der Flucht sowie Eindrücke aus seiner neuen Heimat, Deutschland, zu schildern. Die intensiven und z.T. bedrückenden Erzählungen Heschams, die aber auch positive Gefühle beinhalteten, sollten für die Thematik der kommenden Lesung sensibiliseren.


Denn Ähnliches muss auch die Figur „Tayo“ aus dem Buch „Tayo bleibt“ erleben, ein 16-jähriger begnadeter Fußballer aus Nigeria, der sich in Hamburg zunächst eine neue Existenz aufbaut, jedoch mit dem Erreichen des 18. Lebensjahres abgeschoben werden soll. Ob das seine Mitschüler wohl verhindern können? 

Dieses Buch war Gegenstand der Autorenlesung, die im Zuge des P-Seminars „Loslesen“ als eine von drei Aktionen geplant und durchgeführt wurde. Ziel war es, besonders jüngeren Mitschülern ein Stück weit die Begeisterung für das Lesen, oft zurückgedrängt und in Vergessenheit geraten durch soziale Medien und Co., wieder zurückzugeben. 

Was eignete sich hierfür besser als eine Lesung? Gewonnen werden konnte Andreas Schlüter aus Hamburg - ein sehr renommierter Autor, der neben Bestsellern, wie „Level 4: Die Stadt der Kinder“, auch Drehbücher, u. a. für den Tatort, verfasst hat.

Nach etwa einer Schulstunde, in der spannende Ausschnitte aus „Tayo bleibt“ vorgelesen wurden, blieb noch genug Zeit, die zahlreichen Fragen der Schüler zu klären und Einblicke in die Arbeitsweise des Autors zu gewinnen. Wer hätte etwa gedacht, dass allein aus dem Kindheitstraum, eine Nacht allein im Kaufhaus zu verbringen, einmal ein millionenfach verkaufter Bestseller entstehen kann? Manchmal – so erzählte Schlüter - reicht auch nur eine umgangssprachliche Redensart für „genervt sein“, nämlich „jemanden auf den Mond schießen“, als zündende Idee aus, um zahlreiche Buchseiten zu füllen.

Neben der allgemeinen Entstehungsgeschichte eines Buches wurde auch noch der persönliche, z.T. etwas verschlungene Werdegang des Autors beleuchtet (welcher besonders für einige orientierungslose 12-Klässler als Hoffnungsschimmer gelten könnte). Denn ursprünglich wollte sich Andreas Schlüter nie als Freiberufler selbstständig machen. Ausgebildet als Großhandelskaufmann arbeitete er zunächst in einer Nachrichtenredaktion. Um der monotonen Massenproduktion kurzer Texte in knapper Zeit zu entfliehen, schrieb er anfangs hobbymäßig nach Feierabend sein erstes Buch, entdeckte allerdings schnell seine Leidenschaft und machte schließlich das Schreiben von Büchern zu seinem Beruf.

Nach mittlerweile über 100 Büchern ist „das erste-in-den-Händen-Halten“ eines neuen, druckfrischen Buches für Schlüter noch immer ein besonderer Moment. 

Und das wird auch weiterhin so bleiben, so versicherte der Autor. Denn eines macht Bücher zu etwas ganz Besonderen: Wie kein anderes Medium erlauben sie es jedem Menschen, sich seine eigene Welt zu erschaffen!

Luzia Ram, Alina Birkenstock, Jeremias Heider, Lucia Eidenhardt (Q12)

AndreasSchlueter  JeremiasHeiderLucia EidenhardtAndreas SchlueterLuzia RamAlina Birkenstock