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ERASMUS von Rotterdam (seit 1496: Desiderius Erasmus Roterodamus), Humanist, * 28.10. 1466 oder 1469 in Rotterdam als 2. Kind aus der illegitimen Verbindung des Priesters Rotger Gerard mit einer Arzttochter, † 11. (nicht 12.) 7. 1536 in Basel.
In dieser Zeit hatten die sog. Lateinschulen großen Einfluss in der Bildung. Schüler und Studenten mussten die lateinische Sprache verstehen und sprechen. Sie galt daher als lebendige Sprache.

Erasmus am SchreibpultMit seinem Bruder besuchte E. die Schulen in Gouda und Deventer. Im Alter von etwa 14 Jahren verlor er seine Eltern und kam auf die Universität nach Herzogenbusch in die Schule der Brüder vom gemeinsamen Leben. Auf Drängen seiner Verwandtschaft trat E. zwischen 1486 und 1488 in das Augustinerchorherrenstift Steyn bei Gouda ein und widmete sich vor allem dem Studium des klassischen Altertums und der Patristik.

Er empfing 1492 die Priesterweihe und wurde ein Jahr später Sekretär des Bischofs von Cambrai, der ihm 1495 das Studium an der Universität in Paris ermöglichte. Er studierte dort bis 1499 Philosophie, spätscholastische Theologie, Griechisch und Hebräisch. Als Reisebegleiter eines Lord weilte E. 1499-1500 in England und wurde mit John Colet und Thomas More bekannt. Danach hielt er sich an verschiedenen Orten Europas auf und setzte Ende 1504 das Theologiestudium an der Universität Paris fort. 1505 war E. wieder in England und brach von dort zu einem dreijährigen Italienaufenthalt auf als Reisebegleiter des Leibarztes von Heinrich VIII. 1506 promovierte er in Turin zum Dr. theol. und schloß in Venedig Freundschaft mit dem Drucker Aldus Manutius.

Seit 1514 weilte E. mit Unterbrechungen in Basel. 1516 wurde er Hofrat des späteren Kaisers Karl V. und lebte als solcher erst in Brüssel, dann in Löwen ohne öffentliches Lehramt, ganz seinen Studien gewidmet. 1516 löste ihn der Papst von seinem Gelübde als Augustinerchorherr. Als 1529 in Basel die Reformation eingeführt wurde, siedelte E. nach dem katholisch gebliebenen Freiburg im Breisgau über. 1535 kehrte er nach Basel zurück und starb ein Jahr später an Typhus.

E. ist der bedeutendste Humanist des 16. Jahrhunderts, die überragende Gestalt des gesamten nordischen Humanismus, ein Gelehrter von universaler Bildung und ein glänzender lateinischer Stilist. Er wurde von den Gelehrten, den Fürsten, dem hohen Klerus bis hinauf zum Papst aufs höchste verehrt und von Karl V. und anderen fürstlichen Gönnern mit reichen Jahrgehältern ausgestattet. Mit allen Großen seiner Zeit korrespondierte E.; über 2000 Briefe spiegeln seine internationale Bedeutung. Er vermittelte seinem Zeitalter das geistige Gut der Antike und bemühte sich um eine Synthese von Antike und Christentum. Sein Anliegen waren die Pflege humanistischer Bildung und die Wiederherstellung des ursprünglichen Christentums durch Rückgang auf die Quellen.
Erasmus von Rotterdam

Durch seine Kritik an der verweltlichten Kirche und sein Drängen auf Abstellung der kirchlichen Mißstände hat E. der Reformation vorgearbeitet und sie gefördert. Anfangs stand er Luther nicht ohne Wohlwollen gegenüber und verteidigte ihn in Briefen an Luthers Landesherrn, den Kurfürsten Friedrich den Weisen, und an Albrecht von Brandenburg, den Kurfürsten von Mainz. Das änderte sich aber durch die Kampfschrift Luthers »De captivitate Babylonica Ecclesiae« von 1520 und sein Auftreten auf dem Reichstag zu Worms im April 1521. E. erkannte, daß jeder von ihnen in den Fragen des Glaubens und der kirchlichen Reform anders dachte, und vollzog nach längerem Zaudern und auf Drängen 1524 den endgültigen Bruch mit Luther durch seine Schrift »De libero arbitrio«, auf die Luther 1525 mit der Abhandlung »De servo arbitrio« antwortete.

Die Werke, die den humanistischen Ruhm des E. begründeten, reichen in seine Pariser Zeit zurück. Seine »Adagiorum Collectanea« ist eine Sammlung von Sprichwörtern und Redensarten der Antike mit Erklärungen und Erörterungen. Seine »Colloquia familiaria« (Gespräche in vertrautem Kreis), ursprünglich eine Sammlung lateinischer Phrasen zu Unterrichtszwecken, sind eine geistreiche und scharfe Satire auf die Bräuche, Lebensgewohnheiten und die religiösen Gepflogenheiten jener Zeit. »Lob der Torheit«, das beste und als einziges bis heute lebendig gebliebene Werk des E., ist eine Gesellschaftskritik in der Form der Satire, beherrschend von den beiden Themen: Torheit ist die wahre Weisheit; und: Eingebildete Weisheit ist wahre Torheit. »Enchiridion militis christiani« gibt eine methodische Anleitung zum christlichen Leben im Bild eines Kriegsdienstes.

Das Wissen um die Notwendigkeit des Studiums der Heiligen Schrift auch für den Laien und das Bestreben, das Neue Testament in seinem Originaltext durch den Druck einem größeren Kreis zu erschließen, veranlaßten E. zu der Herausgabe des »Novum instrumentum omne« von 1516, der ersten kritischen Ausgabe des griechischen Neuen Testaments mit eigener lateinischer Übersetzung und kurzen Anmerkungen. Die Neuausgabe von 1519 weist an 400 Stellen Verbesserungen auf und lag Luther bei seiner Übersetzung des Neuen Testaments 1521 vor. 1517-24 gab E. Paraphrasen zum gesamten Neuen Testament (mit Ausnahme der Offb.) und mit zahlreichen Mitarbeitern die Kirchenväter heraus: Cyprianus, 1521; Arnobius, 1522; Hilarius, 1523; Irenaeus, 1526; Ambrosius, 1527; Origenes, 1527; Augustinus, 1527-29; Chrysostomus, 1530.

(Entnommen aus: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon Band 1 Verlag Traugott Bautz (1990))

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