+++ Herzliche Einladung zur Informationsveranstaltung für Viertklässler und deren Eltern am 10.03.2018 ab 9.15Uhr am Erasmus-Gymnasium (Schulflyer)+++

Akos Doma liest aus seinem aktuellen Roman „Der Weg der Wünsche“

Derzeit ist viel die Rede davon: von Flüchtlingen, Flüchtlingskrise und Flüchtlingspolitik, von Fluchtursachen und Fluchtwegen. Nur wenige Schülerinnen und Schüler haben jedoch unmittelbar Kontakt zu Menschen, die emigriert sind, und beziehen ihre Informationen weitgehend aus den Medien. Umso interessanter also, wenn man einmal die Möglichkeit hat, jemandem zuzuhören, der selbst ausgewandert ist und Flucht zu einem literarischen Thema gemacht hat.

Jedoch – so stellte Akos Doma zu Beginn seiner Lesung am Mittwoch, 29.11.2017, am Erasmus-Gymnasium klar – habe sein Buch nichts mit der aktuellen Situation in Europa zu tun. Vielmehr erzähle der Text von der Migration einer Familie aus dem sozialistischen Ungarn nach Deutschland und zwar Anfang der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts. Der Autor machte auch kein Geheimnis daraus, dass sein Roman zu großen Teilen autobiographisch ist. Denn Doma ist gebürtiger Budapester und als Kind mit seiner Familie vor dem Kommunismus geflohen. Der „Weg der Wünsche“ verlief von Ungarn nach Italien, weiter über England und zuletzt nach Deutschland.

So war die Zuhörerschaft aus der Q11 und Q12 gespannt auf die Ausführungen des Autors, zumal dieser eine Gemeinsamkeit mit den anwesenden Schülerinnen und Schülern teilt: Doma hat nach seiner Auswanderung einige Jahre das Amberger Erasmus-Gymnasium besucht und dort sein Abitur gemacht. Heute lebt er zusammen mit seiner Familie in Eichstätt als Schriftsteller und Übersetzer aus dem Ungarischen.

AkosDoma17

Die Kapitel, aus denen der Autor vortrug, kreisten vor allem um die sechzehnjährige Borbála, die ältere Tochter der vierköpfigen Familie und Schwester des jüngeren Misi, dem Alter Ego des Romanschreibers. Konzentriert hörten die Schülerinnen und Schüler zu und erlebten im „Kopfkino“ mit, wie sich Borbála im Flüchtlingslager in Italien zum ersten Mal verliebt. Und zwar in einen, ein paar Jahre älteren jungen Mann. Dieser allerdings wird als eine etwas zweifelhafte Figur beschrieben und bald schon ahnt man, dass es dieser moderne Mephisto mit dem Mädchen vielleicht doch nicht so gut meint, wie man anfangs glauben möchte.

Doma gelang es durch seinen gekonnten Vortrag für volle Aufmerksamkeit zu sorgen. Und er vermittelte einen Eindruck vom Leben und Alltag auf der Flucht. Mehr noch aber erzählte er in einer klaren, immer aber poetischen Sprache von einem starken, selbstbewussten Mädchen, das eine menschliche Prüfung zu bestehen hat und dabei erwachsen wird.

Dass die Romanauszüge bei der Schülerschaft gut ankamen, verwundert nicht: Schließlich stand Domas dritter Roman 2016 auf der Longlist der Deutschen Buchpreises – ein Ritterschlag für jeden Autor!

Beim anschließenden „Werkstattgespräch“ schilderte Doma, wie er für seinen Roman recherchierte. Dafür fuhr er z.B. die damalige Fluchtroute noch einmal ab, um seine Erinnerungen aufzufrischen und verschiedene Stationen zu fotografieren. Auch gewährte er überraschende Einblicke in das Leben eines Autors. So war es sicherlich für nicht wenige Schülerinnen und Schüler neu zu erfahren, wieviel – oder besser:  wie wenig - letztlich von dem Geld, das man für ein Buch bezahlt, beim Schriftsteller ankommt. Und Doma offenbarte, wie er als Migrant immer wieder von vorne anfangen und in jedem Land eine neue Sprache lernen musste.  Als er vierzehnjährig in Amberg ankam, sprach er kein Wort Deutsch. Dass der heute 54-Jährige als ein preisgekrönter deutschsprachiger Schriftsteller auf die Lesebühne treten und das Publikum mit seinen Texten begeistern kann, zeigt: Akos Doma ist seinen Weg erfolgreich gegangen und in der deutschen Literatur glücklich angekommen!

StD Florian Häusler

 

Copyright © 2018 Erasmus-Gymnasium Amberg. Alle Rechte vorbehalten.
Joomla! ist freie, unter der GNU/GPL-Lizenz veröffentlichte Software.
         
Zum Seitenanfang